Anorak House

Dual Dwelling

Risch | Switzerland


 

Die Aufgabe bestand, eine Liegenschaft aus den 70er-Jahren in der Gemeinde Risch vollumfänglich zu

sanieren. Das Haus wurde vor knapp 50 Jahren als erstes auf einem südlich in Richtung See abfallenden

Terrain gebaut. Heute ist es Teil eines Wohnquartiers. 

 

Das Einfamilienhaus mit Einliegerstudio war das Elternhaus des Bauherrn, daher sein Anliegen mit der bestehenden Gebäudesubstanz zu arbeiten und diese zu sanieren und modernisieren. Gewünscht war eine Weiterentwicklung und Neugestaltung der bestehenden Gebäudestruktur, die ökologischen Aspekten gerecht wird. Es galt zudem, die Liegenschaft in der Gegenwart zu verankern. Im Umfang der Gesamtsanierung stand neben dem Architekturkonzept auch die energetische und bauhygienische Modernisierung im Vordergrund.

 


 

Auftraggeber: Privat

Projektierung, Planung und Ausführung: 2018-2022

Architektur: Claudio Holdener | Architecture Design

Mitarbeit: Karl Andermatt | Claan 

Bauleitung: b2 Bauleitung AG

Fotograf: Lorenz Ehrismann

 

 

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    Das Leitmotiv des Entwurfgedankens lautete: «Alles unter einem Mantel, respektive geschützt unter einem Anorak und autark in die Neuzeit.» Über die gesamte Gebäudestruktur wurde eine gdämmte Hülle gelegt. Als architektonische Materialreminiszenz wurde diese in grossformatigen, heute ökologisch schadstofffreien Faserzementplatten ausgeführt.
     
    Der Bauherr legte Wert darauf, energieautark zu sein. Deswegen wurde die Dachlandschaft mit einer integrierten Photovoltaikanlage im selben mattschwarzen Farbton der Fassade realisiert.
     
    Als Architekt war es mir wichtig, dass der gesamte Baukörper wie aus einem Guss erscheint und so visuell eine klare Formensprache entsteht. Die Optik des bestehenden schwarzen Kappendaches inspirierte mich dazu, den gesamten Baukörper als eine Art Anorak zu umhüllen. Die seitlichen Fenster wurden in ihren ursprünglichen Dimensionen und Positionen belassen und ersetzt. Fassadenbündige Lärchenholzlamellen-Felder kaschieren die unregelmässigen Fensterpartien sowie die neu entstandenen Doppelgaragen. Dadurch gewinnt der Baukörper zusätzlich an Spannung und erhält eine gewisse Leichtigkeit. Hingegen öffnet die erweiterte und neu gestaltete Südfassade mit grossflächigen Fenstern die Sicht auf den See. Daraus resultieren eine Terrasse und ein Sitzplatz, die den Bewohnern eine zusätzliche Wohnqualität bieten.

     

  • Nordseite [vorher/nachher]

  • Südseite [vorher/nachher]


     
    Die besondere Herausforderung bestand darin, den architektonischen Zeitzeugen aus den 70er-Jahren mit seinem typischen schwarzen Kappendach in die heutige Zeit zu überführen. Da die Ausnützungsziffer der Parzelle nicht voll ausgeschöpft war, entstand überdies die Möglichkeit, die Liegenschaft zu erweitern. Das Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung sollte in ein grosszügiges Zweifamilienhaus umgebaut werden. Die Grundidee war, die bestehenden Schrägdach-Neigungswinkel zu übernehmen und diese in Richtung Norden und Süden auszudehnen, um so mehr Volumen für Wohnraum zu schaffen und zwei Doppelgaragen in die Norderweiterung zu integrieren.
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    Das Material- und Farbkonzept wurde im Gesamtumbau reduziert gehalten. Sämtliche Wände erhielten
    einen warmgrauen Lehmputz, der mit dem farblich abgestimmten, fugenlosen, mineralischen Bodenbelag übereinstimmt und zugleich für eine Verbesserung des Raumklimas sorgt. Alle Einbauten im Küchen- wie Nasszellenbereich wurden konsequent mit denselben grossflächigen Keramikplatten in Natursteinoptik verkleidet. Sämtliche Leuchten und ein Grossteil der Möbel wurden eigens für das «Anorak House» entworfen und produziert.
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    Eine weitere architektonische Aufgabe bestand darin, für den bestehenden Beton Backsteinbau, räumlich grosszügige Lösungen zu finden und dabei die Grundrisse mit möglichst geringen statischen Eingriffen neu zu gliedern. In der Hauptwohnung im Obergeschoss wurde die gesamte Decke über dem Küchen- Wohnbereich bis zum Giebel geöffnet.
     
    Die dadurch entstehende Raumhöhe von 4.50 Metern schafft eine zusätzliche Grosszügigkeit. Die neue Wohnküche bestehend aus einer überlangen Küchen-Zeile, die im Wohn-Essbereich auch als Sideboard dient, vereint auf diese Weise Küche und Wohnraum. Das Zentrum des offenen Raumes wurde mit einem freistehenden Cheminéekörper ergänzt, bei welchem diverse Küchenger.te diskret eingebaut sind. Sitzt man am Tisch, befindet sich die Feuerstelle auf Augenhöhe. Bewohner und Gäste können so gleichzeitig den Blick zum Feuer und in die Natur geniessen. 
     
    Im Bereich der Schlafzone wurde eine Wand entfernt, um Bad und Schlafzimmer grosszügiger zu gestalten. Beide besitzen einen direkten Zugang zur neuen grossen Dachterrasse im Norden, die sich durch einen Dacheinschnitt ergab. Unter dem ausgedehnten Dach erschliessen sich zusätzlich zwei neue Abstellräume.

     

     

     

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    Da die Liegenschaft kein Untergeschoss aufweist, wurde das ehemalige Erdgeschoss – bestehend aus einer 1-Zimmer-Studiowohnung, einer winziger Doppelgarage sowie einem Schutz- und Mehrzweckraum umgebaut. Durch die Umnutzung dieser Räume und vereinzelte Mauerscheibenverlagerungen entstand eine dem Obergeschoss gleichwertige Wohnung. Durch die Süderweiterung gewinnt vor allem diese Wohneinheit an Fläche. Der Wohnraum erhält durch die neuen grossflächigen Fensterfronten viel Licht sowie einen Aussensitzplatz mit einer wunderbaren Aussicht. Ein von integrierten Schrankzonen flankierter Gang erschliesst den Wohnraum mit den Zimmern und Nasszellen.